Ich bin Hartmut und am Anfang hieß ich Drews.
Anfang? Das war für mich der 18. Oktober 1957.
Meine Mutter wohnte im Haus Ihren Eltern in der Preetzer Chaussee in Kiel-Elmschenhagen. Mein Großvater hieß Otto Drews und so war ich für alle (außer meiner Geburtsurkunde) Hartmut Drews. Meine Mutter hieß auch überall „die kleine Drews“, doch in Ihrem Ausweis stand Marlies Hambach. An meinem ersten Tag war mir das völlig egal, denke ich. Übrigens ist es mir auch heute (68) wieder egal und ein wenig belustigend.
Wir wohnten in der ersten Etage des Hauses, dass mein Uhrgroßvater 1903 bauen ließ. In den anderen Etagen wohnten Mieter, mit deren Kindern ich zusammen aufwuchs. Natürlich hatte ich auch Geschwister und die Geschwister meiner Eltern hatten ebenfalls Kinder. Man war offensichtlich nie allein und doch oft ohne Erwachsene unterwegs.
Das hatte nachvollziehbare Folgen für uns. Ein Leben in Gemeinschaft war etwas völlig Natürliches. Es brauchte einen sechsten Sinn mit den älteren nicht in Konflikt zu geraten und mit den Kleineren behutsam genug umzugehen, damit Erwachsene uns nicht verboten, was auch immer wir gerade anstellten. Wir waren Spezialisten. Ich hatte einen Bruder, ein Jahr älter als ich. Er war extrovertiert, immer mittendrin und laut. Mir passte die Rolle des Beobachters besser. Die Verwandten im Auge, die Situation im Blick, die Umgebung vertraut. Mit 5 Jahren endete diese Partnerschaft. Eckart musste in die Schule, was für mich eine ebenso große Umstellung bedeutete. Er gab sehr an, mit dem Lernen, dem Lesen und anderem aus seinem neuen Leben. So kam es, dass ich die Schule gehasst habe, lange bevor ich eine von innen erlebte. Leider kann ich nicht sagen, ob diese Mathias Claudius Schule das verdient hatte. Ich musste von Anfang an in eine andere.